Spielregeln

  1. Keine Vorwürfe – No reproaches
  2. Wir arbeiten mit allen, die mit uns arbeiten – We work with anyone who will work with us
  3. Du kannst keine Entscheidungen treffen über etwas, das dir nicht gehört – You can not make decisions about what does not belong to you
  4. Du bist nicht verantwortlich für Entscheidungen die du nicht getroffen hast – You are not responsible for decisions you did not take
  5. Wer die Arbeit macht, entscheidet wie – People who do the work decide how
  6. Wenn du dein Bestes gibst, ist es gut genug und du bist am richtigen Ort zur richtigen Zeit – When you do your best, it’s good enough and then you are at the right place and in the right time
  7. Was ist, soll sein dürfen – What is, is what it is
  8. Ein Fehler ist ein Schritt in der Entwicklung – A mistake is not wrong doing, it’s development
  9. Wie wir uns selbst im Bezug auf andere und unsere Arbeit immer besser verstehen, ist was wir als Profit sehen – Profit is how we better understand ourselves in relation to others and how we work

  1. Keine Vorwürfe – No Reproaches.

Derartiges Feedback weist mich darauf hin, wie meine Handlungen auf andere Menschen oder die Gemeinschaft wirken, dass ich etwas tun oder unterlassen sollte um der Verantwortung für mein eigenes Verhalten gerecht zu werden.

Ein Vorwurf nimmt mein Verhalten und schließt von diesem auf meine Person, als ob ich nicht anders handeln könnte oder absichtlich gehandelt hätte. Die Botschaft ist “Du bist schlecht und sollst Dich darum auch so fühlen”.

Der Blick auf die Uhr mit der Bemerkung: “War ja klar dass Du wieder zu spät kommst” ist ein Beispiel für einen Vorwurf, wie auch der wutschnaubende Ausruf “kannst Du nicht einmal aufpassen!”.

Dies bezieht sich auch auf Regel 7: Was ist soll sein dürfen.

2. Wir arbeiten mit allen die mit uns arbeiten – We work with anyone who will work with us.

Frau Mayer ist eine Verantwortungsgemeinschaft.

Es geht darum was wir tun und wie wir es umsetzen, nicht darum unsere Meinungen zu behaupten, Diskussionen zu führen oder politische Macht auszuüben. Als Organisation kauft Frau Mayer Bier von einer großen Brauerei-Firma, da diese mit uns zusammenarbeiten will. Aus dem gleichen Grund haben wir auch Bier einer kleinen Wiener Brauerei im Angebot.

Das gleiche gilt für Menschen. Deine Weltanschauung, Deine politischen oder religiösen Ansichten sind uns als Organisation egal. Daher gibt es auch keine Sonderbehandlung auf Grund Deiner Ideologie. Allgemein gilt: Wir können nur mit freien Menschen zusammenarbeiten, die im Besitz ideologischer Haltungen sein mögen, nicht aber von ihrer Ideologie besessen sind.

Können wir mit Dir arbeiten und Du mit uns, ist alles gut.

Bei Frau Mayer geht es darum wie Du Dich einbringst. Wir sind weder politisch motiviert noch verstehen wir uns als politische Organisation, wir wollen gemeinsam etwas schaffen.

Auf den Punkt bringt es diese provokative Erklärung:

„Wir arbeiten nicht mit Flüchtlingen.

Wir arbeiten nicht mit Frauen.

Wir arbeiten nicht mit Afrikanern oder Asiaten.

Wir arbeiten nicht mit Schwulen oder Lesben.

Wir arbeiten nicht mit Männern.

Wir arbeiten nur mit Menschen.“

3. Du kannst keine Entscheidungen treffen über etwas, das dir nicht gehört – You can not make decisions about what does not belong to you.

Natürlich trifft dies auf Gegenstände aller Art zu, wie ein Stück Plastik oder ein alte Tasse mit Sprung. Es geht weniger um stehlen, das wir natürlich nicht tolerieren, sondern darum anzunehmen etwas sei wertlos und es dann zu benutzen. Selbst wenn Du glaubst etwas sei bedeutungslos, musst Du Dich dennoch vergewissern, dass Deine Annahme korrekt ist.

Dies trifft auch zu, auf die Arbeiten die andere verrichtet haben. Du kannst es nicht verbessern oder ändern, ohne Einverständnis der Erschafferin, selbst wenn Du denkst es wäre besser so.

4. Du bist nicht verantwortlich für Entscheidungen die du nicht getroffen hast – You are not responsible for decisions you did not take.

Diese Regel ist für unsere Gemeinschaft sehr wichtig.
Wenn jemand etwas entscheidet, sie aber nicht in der Lage ist die Konsequenzen ihrer Entscheidung zu tragen, sind die Anderen nicht automatisch verantwortlich.

Alle Entscheidungen in die Menschen einbezogen sind werden im Vorhinein besprochen. Nur wer einem Vorhaben zustimmt und sich bereit erklärt Verantwortung zu übernehmen, kann für dessen Umsetzung zur Rechenschaft gezogen werden.
Das Gleiche gilt für Verpflichtungen im Namen der Organisation. Mache ich eine Zusage oder Versprechung gegenüber Dritten, sind die Anderen in keiner Weise für deren Einhaltung verantwortlich, es sei denn das zuständige Team hat sich darauf geeinigt diese mit zu tragen.

Wir kennen diese Regel als Selbstverständlichkeit im alltäglichen Umgang. Etwa, wenn eine Person davon ausgeht, dass eine Andere für etwas zahlt, ohne vorher zu fragen. Aber auch bei der Arbeit gilt dieser Grundsatz: koche ich den Reis mit Butter, heißt das nicht dass Du es auch tun musst, es war ja nicht Deine Entscheidung.

5. Wer die Arbeit macht, entscheidet wie – People who do the work decide how.

Was getan werden muss, muss erledigt werden.
Essen muss gekocht-, der Boden und das Geschirr gesäubert werden.

Wie und wann das geschieht hängt aber von Dir oder den Menschen mit denen Du zusammen arbeitest ab. Du kannst im Kopfstand auf dem Skateboard staubsaugen. Brauchst Du die ganze Nacht dafür, ist das auch in Ordnung.

Das einzige was zählt, und wofür Dich andere zur Verantwortung ziehen können, ist dass die Arbeit gut gemacht wird, im vereinbarten Zeitrahmen und dabei unnötige Ressourcen-Verschwendung vermieden wird. Das Wasser laufen lassen, weil Du das Geräusch magst, ist also nicht akzeptabel.

Wir erwarten dass sich Dein Verhalten im Rahmen allgemein akzeptierter Normen von Anstand und Hygiene bewegen. Dich zu organisieren ist Deine Sache und muss mit den Menschen mit denen Du zusammen arbeitest abgestimmt sein.

6. Wenn du dein Bestes gibst, ist es gut genug und du bist am richtigen Ort zur richtigen Zeit – When you do your best, it’s good enough and then you are at the right place and in the right time.

Übernimmst Du Verantwortung, erwarten wir von Dir das zu tun was Du zusagst, auf die Beste Art oder Weise die Dir möglich ist.
Wir sind uns allerdings bewusst, dass wir alle kläglich dabei versagen, das was wir zur Vollendung bringen wollen zu erreichen. Allgemein gesagt gibt es stets mehr Potential für Verbesserung, als wir in einem beliebigen Moment verwirklichen können.

Das bedeutet auch, dass uns Missgeschicke unterlaufen:

Unsere Bemerkung kommt schlecht an, wir geben zuviel Salz auf den Reis, spielen neben dem Takt, haben vergessen uns zu rasieren oder lassen ein Glas fallen.

Diese Regel sagt ausdrücklich: Wenn Du Dein Bestes gibst, machst Du alles richtig. Auch wenn Dir dabei Fehler unterlaufen!!

Dies steht in enger Verbindung zu ersten Regel, da es auch nicht sinnvoll oder gewollt ist, dass Du Dir selber für Deine Fehler Vorwürfe machst!

Es mag sein dass Dein fauxpas notwendig dafür ist, dass ich lerne besser mit den Fehlleistungen anderer umzugehen. Wir können nicht wissen, wie gut oder schlecht die unbeabsichtigten Konsequenzen unserer Handlungen sind, und welche Hilfestellung oder Lernchance sie Anderen bieten mögen!

7. Was ist, soll sein dürfen – What is, is what it is.

Oftmals möchten wir nicht wahr haben, was sich vor unseren Augen abspielt, und tun so als ob es nicht da wäre.
Unsere Planungen beginnen so gerne an einem perfekten Ausgangspunkt.
Alle sind pünktlich, alle können alles gleich gut, etc. etc.
Dann fangen wir an und stellen fest, dass es nicht so läuft.
Der Bus der Dich abholt kommt zu spät, beim Einkauf werden zwar doppelt soviele Äpfel, aber nicht genug Erdäpfel geholt, oder es ergibt sich aus dem nichts eine Komplikation die uns unter Druck setzt.

Wir greifen dies weder an, noch verneinen wir es.
Denn diese tatsächlichen Begebenheiten und Vorkommnisse sind unsere alltägliche Realität. Von ihr aus geht unser Denken und Handeln.
Wir fangen damit an was ist, nicht wie es sein sollte!

Utopisches Denken darf den Blick auf die Realität nicht verstellen.

8. Ein Fehler ist ein Schritt in der Entwicklung – A mistake is not wrong doing, it’s development.

Wenn Du etwas Neues beginnst oder eine Tätigkeit zum ersten Mal ausführst,

werden Dir Fehler unterlaufen.

Ob Du musizierst, kochst, etwas reparierst oder ein Bild malst – selbst eine routinierte Gastgeberin wird nicht immer ihren Ansprüchen gerecht.

Das was wir falsch machen, bringt uns die Qualität die sich in uns entfaltet zum Bewusstsein. Wir sind alle werdende Wesen, in Entwicklung begriffen und versuchen ständig aus Allem was wir erleben schlau zu werden. Ab und an begreifen wir die Realität noch nicht, unser Erleben sendet uns ein Fehlersignal. Es sind diese Momente, die uns bewusst machen was wir eigentlich tun und sind!

Daher ist ein Fehler eine Entwicklung, und wir begrüßen Entwicklung.

9. Wie wir uns selbst im Bezug auf andere und unsere Arbeit immer besser verstehen, ist was wir als Profit sehen – Profit is how we better understand ourselves in relation to others and how we work.

Letztlich sind das Wertvollste das wir wahrlich haben die Beziehungen zu anderen Menschen und unser Verständnis von uns selbst!

Dinge die uns jetzt gehören haben wir nicht wirklich, wir sind lediglich für ihren Gebrauch verantwortlich.

Zu denken, dass wir Dinge in der Welt wirklich haben, ist eine klassische Illusion.

Wir wissen es eigentlich: ein worst-case Regierungs-Wechsel und die halbe Bevölkerung steckt auf einmal in Arbeitslagern, ganz zu schweigen von ihren ehemaligen Rechtsansprüchen auf Haus und Grund. Es reicht schon ein Brand, ein Unfall oder eine Scheidung, um alles zum Einstürzen zu bringen, dass wir für sicher erachtet haben. Das ist kein Scherz!

Meine Vorstellung davon wie Du bist, die Freundschaftsgefühle, die ich verspüre und das Vertrauen dass ich Deinem Sein und Wesen gegenüber bringe, sind die wertvollsten Erfahrungen meines Lebens.

Unsere Arbeit dreht sich im Grundsatz darum das Verständnis unserer Selbst und Anderer zu vertiefen, denn dies ist die wichtigste Arbeit, die wir im Leben vollbringen.

Aus diesem Grund kochen, spielen und arbeiten wir auf andere Weise zusammen. Es ist immer das Erleben einer sich entwickelnden Beziehung, das einen Mensch oder eine Sache interessant macht.

Geld sehen wir nicht als Gewinn.

Geld brauchen wir um die Miete und die Stromrechnung zu bezahlen. Wir fragen daher nach Geld, um weiterführen zu können, was wir machen. Genau so wie wir Teller oder Musik Instrumenten verwenden. Was wir machen muss für uns und für andere von Bedeutung sein, das ist sehr wichtig. Aus diesem Grund ziehen wir uns nicht in einen safe-space im Kloster in den Bergen zurück. Im Gegenteil, wir wollen uns mit der gesellschaftlichen Realität auseinandersetzen, unseren Umgang mit ihr finden und für uns selbst und andere Bedeutung schaffen.

Sinn-voll zu sein ist der Gewinn den wir anstreben.